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#weopenupspaces: Der Raumfänger Heidelberg

Hier ist der Raumfänger von außen zu sehen, als er gerade aufgebaut wird.

Am 9. April wurde im Stadtgarten Heidelberg eine Premiere gefeiert. Zwischen Frisbee-spielenden Studierenden und Familien mit Picknickdecken nahm der Raumfänger öffentlichen Raum in seinen temporären Besitz. Zum ersten Mal wurde der halbdurchsichtige Veranstaltungsort aus PVC-Folie, der bequem Platz für ca. 50 Menschen bietet, aufgeblasen. Was genau ist der Raumfänger, und was hat das alles mit dem Barcamp zu tun?

Die Blicke der vielen Heidelberger, die an diesem Samstag mittag aus der Innenstadt kamen und am Stadtgarten vorbeigingen, waren wunderbar. Viele schauten interessiert, andere verwundert oder verwirrt auf das kleine schwarze Häuschen, aus dem die große Plastikblase erst entrollt und später mit Luft gefüllt wurde. Im Makerspace Heidelberg baute ein Team um die Initiatoren Pietro Autorino, Philipp Herold und Jasper Schmidt in zwei Monaten den Raumfänger – ein mobiler Raum, der überall schnell aufgebaut werden kann, und der den Blick auf die Umgebung durch seine Halbtransparenz nicht verdeckt. 

Urbane Intervention

„Der Raumfänger ist eine urbane Intervention“, heißt es in dem Konzept des Teams. „Er […] eignet sich öffentliche Plätze an und wird dort zu einer inklusiven Ideenwerkstatt und Bühne.“ Am ersten Wochenende bereits zeigte das Team zusammen mit vielen helfenden Händen, was sie darunter verstehen. Zur Begrüßung luden die gambianischen Geflüchteten des SweetHome Project Heidelberg zu ihren beliebten afrikanischen Spezialitäten ein. Sie hatten selbst kräftig mit am Raumfänger gebastelt, ihr handwerkliches Geschick beim Schweißen und Nähen begeistert eingebracht und berichteten stolz über ihren Beitrag zum Projekt. Fast zeitgleich zogen Band und Instrumente in die Blase, um im Anschluss an das Essen eine Jamsession abzuhalten. Immer wieder brachte das begeisterte Lachen der Initiatoren und Helferinnen weitere Besucher dazu, einen genaueren Blick in den Raumfänger zu riskieren. Am zweiten Tag war dieser dann beinahe noch voller, denn es wurde zur Poetry Slam Session gebeten. Doch der umwerfende Auftakt soll erst der Beginn sein: Der Raumfänger ist der offizielle Aufbruch zum geplanten Begeisterhaus.

Hier ist ein Bild einer Trommel zu sehen. Auf den Postkarten sind ein paar Informationen zum Raumfänger Hier ist das Plakat des SweetHomeProjects zu sehen.

Inklusive Begegnungsstätte, Werkstatt und Bühne

Der Raumfänger ist nicht das erste Projekt, das Heidelberger_innen in Zusammenarbeit mit Geflüchteten voran treiben. Seit bald einem Jahr besteht nun die Initiative Each1Teach1 aus Ansässigen und Geflüchteten, vor allem aus Gambia. Aus dieser Initiative ging unter anderem das SweetHome Project hervor, das von den gambianischen Einwanderern ins Leben gerufen wurde. Neben Einblicken in ihre Esskultur stehen beim SweetHome Project Begegnungsmöglichkeiten im Mittelpunkt – und auch die Verbreitung des „Each1Teach1“-Lebensgefühls. Unter dem entsprechenden deutschen Motto „Jeder lehrt jeden“ organisieren die Geflüchteten selbst – tatkräftig unterstützt von Bürger_innen, Studierenden und Stadträten – viele Kontakt- und Austauschmöglichkeiten zum Beispiel beim Trommeln, Klettern oder bei einem Stand auf dem Weihnachtsmarkt. Alle sind bemüht, nicht nur neue Räume zu schaffen. Sondern eine gemeinsame Zukunft. Genau dafür, sagen die Engagierten des SweetHome Project, haben sie den Weg nach Deutschland auf sich genommen. Aktuell läuft übrigens ein Crowdfunding für ihre Idee einer mobilen Küche auf der Plattform SPONSORT.
Hier ist ein Bild des afrikanischen Essens, das im Raumfänger serviert wurde, zu sehen.

Klingt das alles bekannt?

Dass dieses Engagement mich begeistert, ist kein Zufall. Weil wir, die Barcamp-Orga, und die Heidelberger Initiativen, einiges gemeinsam haben: Wir alle sind bemüht, nicht nur Räume zu schaffen. Sondern eine Zukunft; eine Möglichkeit, miteinander zu arbeiten, kreativ zu sein und von einander zu lernen. Each1Teach1, der Raumfänger und das SweetHome Project haben dabei den aktuell so wichtigen Fokus auf der Zusammenarbeit mit Geflüchteten, der für Barcamps natürlich noch sehr neu ist. Umso mehr freuen wir uns über das, was uns ein Vögelchen vor kurzem gezwitschert hat:

Am 2. und 3. Juli kommt im Dezernat 16 zusammen, was ohnehin zusammen gehört. Denn aller Voraussicht nach wird sich der Raumfänger dann beim Barcamp aufblasen, uns als weiterer Sessionraum dienen und uns einladen, die Perspektive zu wechseln.

Als die Initiatorin Doris Mayer im letzten Jahr auf unserem Barcamp ihre Ideen für Each1Teach1 vorgestellt hat, ahnte noch niemand, was in kurzer Zeit von vielen kreativen, engagierten, begeisterten Menschen auf die Beine gestellt werden könnte. Am 2. und 3. werden wir ein wenig davon sehen, erfahren und betreten können.

 

(Beitragsbild: Der Raumfänger im Aufbau)

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